Ersetzt Claude Microsoft Office? 4 Büro-Aufgaben im Test, 3 davon für 0 Euro

Für drei typische Büro-Aufgaben ersetzt Claude Microsoft Office tatsächlich: den Monatsbericht, die Folien für die Besprechung und den Social-Media-Post. Mit Claude Docs, Folien und Design baut Claude fertige Dateien, die du als Word, PowerPoint, PDF oder Bild exportierst. Das geht laut Anthropic in jedem Tarif, auch im kostenlosen. Das Kennzahlen-Dashboard gibt es nur im bezahlten Tarif. Und die Tabelle, aus der die Zahlen kommen, bleibt in Excel.

Ich habe alle vier Aufgaben am 23. Oktober 2026 in unserem Claude-Team-Konto durchgespielt und jede Zahl nachgerechnet. Als Beispiel dient eine Tischlerei namens Brandt. Die gibt es nicht, die Auftragsliste ist ausgedacht. Aber der Ablauf ist genau der, den du jeden Monat hast: Zahlen aus Excel, daraus ein Bericht, daraus Folien, und irgendwo dazwischen wartet die Stellenanzeige für den neuen Azubi.

Im Video siehst du jeden Klick am Bildschirm, von der leeren Kachel bis zur exportierten Datei.

Inhalt

Was ist Claude Docs, und was kostet es?

Claude kann inzwischen mehr als antworten. Es legt dir fertige Dateien hin, an denen du direkt weiterarbeitest. Stell es dir vor wie ein Büro im Chatfenster: links schreibst du, was du brauchst, rechts entsteht die Datei. Du findest das in Claude links unter „Artefakte“. Oben stehen Kacheln für Dokumente, Folien, Design und Dashboard.

Dokumente, Folien und Design sind aus der Testphase raus und laut Anthropic in jedem Tarif verfügbar, auch im kostenlosen. Das Dashboard läuft noch als Beta und nur in den bezahlten Tarifen. (Stand: 2026-10-27 — Quelle: Anthropic, „Build live dashboards and animate explainers with Claude“, 08.10.2026) Getestet habe ich im Team-Tarif. Den kostenlosen Tarif habe ich nicht selbst ausprobiert, dort verlasse ich mich auf Anthropics Angabe.

Wie schreibt Claude einen Monatsbericht aus einer Excel-Tabelle?

Kachel „Dokumente“ anklicken, über das Plus im Eingabefeld die Auftragsliste als Excel-Datei anhängen, dann der Auftrag. Bei mir lautete er: „Mach aus dieser Tabelle den Monatsbericht Oktober 2026 für die Tischlerei Brandt: Umsatz, Vergleich zum Vorjahresmonat, offene Rechnungen, offene Angebote und drei Punkte für die Teambesprechung.“

Rechts füllt sich das Dokument, während Claude schreibt. Nach gut zweieinhalb Minuten stand ein Bericht mit Liniendiagramm, Vergleichstabellen, einer Liste offener Rechnungen und drei Besprechungspunkten. Alle Zahlen habe ich gegen die Tabelle gerechnet. Keine war falsch. Claude hat sogar von selbst gemerkt, dass zwei Rechnungen ein Datum in der Zukunft trugen. (Stand: 2026-10-23 — Quelle: eigener Test im Claude-Team-Konto)

Der Clou: Das ist kein Text, den du irgendwo hinkopieren musst. Den Status eines Angebots stellst du direkt in der Tabelle über ein Auswahlfeld um. Fehlt dir etwas, markierst du die Stelle und schreibst einen Kommentar an Claude. Ich habe „Ergänze eine Spalte, wann die Mahnung fällig ist“ geschrieben. Eine halbe Minute später war die Spalte da, und im Kommentar stand, was Claude geändert hat. Wer wann was geändert hat, zeigt der Versionsverlauf im Titelmenü.

Raus geht der Bericht als Word-Datei, als PDF, als Markdown oder direkt nach Google Docs. Die Word-Datei habe ich geöffnet: echte Tabellen, das Diagramm als Bild, meine Änderungen sind drin. Ein Schönheitsfehler blieb. Das Datum stand auf Englisch drin („Oct 23, 2026“) und musste von Hand nachgezogen werden.

Kann Claude eine PowerPoint-Präsentation bauen?

Ja, und zwar als echte PowerPoint-Datei. Gleiche Excel-Datei, diesmal Kachel „Folien“, Auftrag: „Mach daraus eine Präsentation mit 12 Folien für unsere Monatsbesprechung.“ Nach wenigen Sekunden kam eine Rückfrage, welcher Monat im Mittelpunkt stehen soll. Antworte da sofort. Claude wartet sonst einfach, bei mir zehn Minuten lang, bis ich es gemerkt habe. Nach der Antwort dauerte es knapp fünf Minuten.

Heraus kamen 12 Folien, jede mit Sprechernotizen, dazu ein Präsentationsmodus. Text änderst du per Doppelklick direkt auf der Folie. Spannend wird es beim Export als PowerPoint: Die Datei hat 12 Folien, und jeder Text ist ein echtes Textfeld, das deine Assistenz später anklicken und ändern kann. Nur das Diagramm kommt als Bild. Lies vor der Besprechung die letzte Folie. Bei mir standen dort noch „[Name]“ und „[Datum]“ als Platzhalter.

Wenn deine Folien im eigenen Firmenlook kommen sollen, lies auch unseren Beitrag zu Präsentationen im eigenen Design mit Claude.

Stimmen die Zahlen im Claude-Dashboard?

In meinem Test ja. Aber nur, wenn du die richtige Frage stellst. Die Kachel „Dashboard“ gibt es nur im bezahlten Tarif. Auftrag: ein Kennzahlen-Dashboard mit Umsatz pro Monat und Vorjahresvergleich, Umsatz im Oktober, Durchschnitt pro Auftrag, Marge und offenen Angeboten. Drei Minuten später stand es da: 127.480 Euro Umsatz im Oktober, 38 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, 14 offene Angebote.

Als Chef solltest du hier zuerst fragen: Stimmt das? Ich habe die Oktober-Umsätze aus der Original-Tabelle aufsummiert, wieder 127.480 Euro. In Excel geht das mit einem Handgriff: auf Oktober filtern, die Umsatzspalte markieren, unten in der Statusleiste steht die Summe. Im Dashboard selbst klickst du auf jede Zahl und siehst, aus welchen Daten und mit welcher Formel Claude sie berechnet hat.

Bei zwei Kennzahlen bin ich trotzdem gestolpert. Durchschnitt pro Auftrag und Marge sahen anders aus, als ich für Oktober erwartet hatte. Falsch gerechnet war nichts. Das Dashboard hatte beide Werte von Januar bis Oktober berechnet, ich hatte an den Oktober gedacht. Über Januar bis Oktober liegt der Schnitt bei 13.475 Euro pro Auftrag und die Marge bei 49,3 Prozent. Nur im Oktober sind es 11.589 Euro und 51,7 Prozent. Beides stimmt, nur eben für verschiedene Zeiträume. Der Zeitraum stand klein in der Kachelüberschrift. Genau das ist die Falle bei KI-Zahlen: Prüf nicht nur die Zahl, sondern auch, über welchen Zeitraum sie gerechnet ist.

Wie schnell geht ein Instagram-Post mit Claude Design?

Das war die schnellste der vier Aufgaben. Kachel „Design“, Auftrag: „Mach einen Instagram-Post für die Tischlerei Brandt. Wir suchen Azubis. Text: Handwerk hat Zukunft. Jetzt Azubi werden.“ Nach rund 40 Sekunden war der Post fertig, im Hochformat 4:5 für Instagram. Exportieren lässt er sich als PNG oder PDF.

Claude hat noch eine Zeile dazugeschrieben, „Bewirb dich: [WEBSITE / E-MAIL]“, mit eckigen Klammern als Platzhalter direkt im Bild. Es hat das im Chat sogar gesagt. Sehen tust du es trotzdem nur, wenn du vor dem Posten einmal draufschaust.

Muss ich dafür Office aufgeben?

Nein. Wenn dein Betrieb komplett auf Office läuft, gibt es den umgekehrten Weg: Claude als Add-in direkt in Excel, PowerPoint und Word. Du bleibst in deinen gewohnten Dateien, und Claude arbeitet daneben mit.

Ich habe das in Word ausprobiert. Leeres Dokument, rechts das Claude-Fenster, und derselbe Auftrag wie oben für den Monatsbericht. Zwei Dinge fand ich stark. Bevor Claude etwas in dein Dokument schreibt, fragt es, ob es darf. Und am Ende stand da sinngemäß: Die drei Besprechungspunkte hast du nicht vorgegeben, die habe ich mir selbst überlegt, lies sie bitte gegen. Genau so willst du das. Kein stilles Erfinden, sondern ein Hinweis, wo du hinschauen musst. (Stand: 2026-10-24 — Quelle: eigener Test im Claude-Team-Konto)

Dafür brauchst du allerdings ein bezahltes Claude-Konto. In der Firma gibt der Admin das Add-in einmal über das Microsoft Admin Center frei. (Stand: 2026-10-27 — Quelle: Anthropic Blog, 07.05.2026)

Wo stößt Claude an Grenzen?

Excel bleibt. Alle vier Ergebnisse kamen aus einer Excel-Tabelle, und dort bleibt sie auch. Eine eigene Tabellenkalkulation hat Claude nicht.

Teilen mit Kunden. In unserem Team-Konto konnte ich ein Dokument nur mit eingeladenen Personen oder der ganzen Firma teilen. „Alle mit dem Link“ war ausgegraut. Für einen Kunden heißt das: exportieren und als Datei schicken. Beim Dashboard geht nicht einmal das. Einen Export als PDF oder Bild habe ich nicht gefunden, nur die Quelldaten als CSV.

Firmenlayout. Ohne Vorgabe sieht alles ordentlich aus, aber nicht nach deiner Firma. Im Plus-Menü gibt es den Eintrag „Designsystem“, dort gehören Logo, Hausfarbe und Schrift einmal hinein. Wie gut Claude das dann übernimmt, habe ich noch nicht getestet.

Daten. Was du in so ein Dokument lädst, liegt bei Claude. Kundennamen, Personalzahlen, Angebote, die noch nicht raus sind. Das ist kein Grund, es nicht zu nutzen. Aber kläre vorher, auf welchem Tarif du arbeitest und wer mitlesen kann. Was du dabei beachten solltest, steht in unserem Beitrag zu Datenschutz, Training und dem richtigen Tarif.

Ersetzt Claude Office also für 0 Euro?

Für den Monatsbericht, die Besprechungsfolien und den Azubi-Post: ja. Das geht laut Anthropic auch im kostenlosen Konto, und es kommt als echte Datei raus. Fürs Dashboard brauchst du einen bezahlten Tarif. Und die Tabelle, aus der alles kommt, bleibt in Excel. Zumindest aktuell noch.

Spannend finde ich die Richtung dahinter. Bisher hat man die KI in Word und Excel eingebaut. Jetzt wandert das Büro in die KI. Das Add-in ist der Weg für alle, die in Office bleiben wollen, die Kacheln in Claude der Weg für alle, die nicht mehr hin- und herkopieren wollen.

Anfangen würde ich mit dem Monatsbericht. Er kommt jeden Monat wieder, er sieht jedes Mal gleich aus, und beim Kopieren von Excel nach Word geht die meiste Zeit drauf.

Was Claude über deine Firma nicht weiß

Eins fällt beim Test auf. Claude baut dir den Bericht, aber es weiß nicht, wie ihr arbeitet. Welche Preise ihr nehmt, wie ihr mit Kunden redet, was ihr nie versprecht. Genau dafür haben wir das Firmenhirn entwickelt. Du beantwortest ungefähr zehn Fragen zu deiner Firma, und es richtet dir in Claude Code ein Gedächtnis ein, das dieses Wissen bei jeder Aufgabe mitliest. Programmieren musst du dafür nicht.

Cheat Sheet: Office oder Claude?

Die Prompts aus dem Test, eine Prüfliste für KI-Zahlen, bevor sie in die Besprechung oder zum Steuerberater gehen, und eine Übersicht, welche Büro-Aufgabe in Claude besser aufgehoben ist und welche in Office: Das steckt im kostenlosen Cheat Sheet „Office oder Claude?“. Die Übersicht gibt es im Video nicht.

Hinweis: Die Tischlerei Brandt und alle Zahlen in diesem Beitrag sind frei erfunden. Die Tests liefen am 23.10.2026 mit Demo-Daten.

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